Moderation im Healthcare-Bereich

Shownotes

In dieser Folge spreche ich darüber, warum Moderation im Healthcare-Bereich etwas anderes ist als gute Gesprächsführung auf der Bühne. Es geht um Verantwortung, um Dynamiken zwischen Betroffenen, Medizin und Industrie und darum, warum man Menschen nie auf ihre Erkrankung reduzieren darf. Ich erzähle aus meiner Arbeit, aus Situationen, die funktioniert haben, und aus denen, die gekippt sind.

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00:00:04: Sick & Sin.

00:00:08: Der Podcast über Healthcare-Kommunikation.

00:00:17: So schnell vergeht ein Monat und schön, dass wir uns hier wieder treffen bei Sick&Sin Und ich möchte einen Gedanken mit euch teilen.

00:00:24: Ich möchte heute darüber laut nachdenken was Moderation im Gesundheitswesen eigentlich bedeutet.

00:00:29: Das öfteren werde ich mal gefragt Wie moderierst du?

00:00:33: Worauf achtest du?

00:00:34: Fällt es dir leicht?

00:00:35: Felt es dir nicht leicht?

00:00:37: Was bedeutet das eigentlich?

00:00:38: Und ich denke mir, ich muss da manchmal schmunzeln.

00:00:40: Weil es eigentlich gar nicht so eine Antwort gibt und in Vorbereitung auf diese Podcastfolge habe ich mir mal Gedanken gemacht und musste schmunzeln.

00:00:49: Ich hatte eher ein inneres Lächeln weil ich gemerkt hab wie unterschiedlich die Vorstellungen davon sind was Moderation hier eigentlich heißt.

00:00:58: Wenn ich an die Veranstaltung denke, die ich moderiert habe, an die Kunden denke, Und immer noch zukommen oder auch an die Veranstalter, die gefragt haben ob wir Veranstaltung machen.

00:01:11: Ja oder nein?

00:01:13: Viele denken dabei immer so zuerst an Bühne und anders sprechen, an die Präsenz und an jemanden der gut Gespräche führen kann.

00:01:21: Das gehört absolut dazu.

00:01:23: das würde ich auch unterstreichen.

00:01:25: aber ich finde es ist nur ein kleiner Teil wenn es darum geht.

00:01:28: Moderation im Healthcare Bereich.

00:01:31: Mir ist irgendwann klar geworden, dass die Moderation im Gesundheitswesen was ganz Eigenes ist.

00:01:38: Gut siehst nicht besser oder nicht höher aber halt anders finde ich weil Gesundheit ist kein Thema das man so einfach abhandelt weil es betrifft ja alle und es ist nichts was man diskutiert oder bis zum nächsten Punkt geht dann zum nächsten Punkt übergeht, denn für viele Menschen ist das der Alltag und dieser Alltag sitzt mit im Raum wenn er auch nicht ausgesprochen wird.

00:02:09: Ich habe viele Gespräche begleitet in denen auf den ersten Blick ja so alles gestimmt hat.

00:02:14: die richtigen Menschen waren dort, die richtige Gäste waren eingeladen, das richtige Setting.

00:02:19: wir haben uns gut vorbereitet und trotzdem ist da manchmal was Unrundes ein Gefühl dass man vielleicht nach der Veranstaltung erst versteht.

00:02:28: Es ist ja öfter mal so, dass man vieles erst rückwirkend versteht und man möchte sich zu fragen warum man sich nicht so verbunden gefühlt hat.

00:02:38: Warum hatte es sich nicht verbunden angefühlt wie man es sich vielleicht erhofft hatte?

00:02:42: Und je länger ich darüber nachdenke und je länger das mache, desto weniger glaube ich, dass auch Zufall ist.

00:02:49: Denn... Ich komme aus der Intensiv- und Notfallmedizin.

00:02:52: Ich war jahrelang Pfleger, ich habe in Schichten gearbeitet in Situationen, in denen es keine Zeit für perfekte Kommunikation gibt und gab.

00:03:00: Und vielleicht ist das genau der Punkt, den man im Blick so geprägt hat?

00:03:03: Dort lernt man sehr schnell das Worte Gewicht haben, dass Tonlage etwas auslösen, dass Menschen sehr unterschiedlich reagieren, wenn sie sich ausgeliefert fühlen.

00:03:13: Diese Erfahrungen nehme ich heute mit in die Arbeit als Moderatwaren.

00:03:20: Wenn ich das nochmal weiter ausführe, vielleicht macht es auch Sinn was ich sage.

00:03:23: Aber das dürft ihr mir gerne hinterher sagen.

00:03:26: Wenn ich heute healthcare-Formate moderiere denke ich nicht zuerst an Abläufe.

00:03:29: klar die sind wichtig sie werden aber meistens auch vorgegeben.

00:03:33: Aber ich denke vielmehr an die Menschen im Raum, an das Publikum und auch an die Gäste, an die Interviewgäste ,an die Gesprächsgäster An die Dynamiken, an Die Dinge die nicht ausgesprochen werden, an den Rollen die automatisch entstehen.

00:03:49: Ihr endet euch vielleicht an die Machtgefällefolge und diese Rollen entstehen manchmal sobald jemand als Betroffen auf der einen Seite, als Arzt auf der anderen Seite oder als Vertreter einer Organisation auf der Anderen Seite vorgestellt wird.

00:04:06: Und wenn ich Anfragen bekomme, möchtest du ein Interview führen?

00:04:11: Ja, sage ich natürlich ja!

00:04:15: Ängleren interessiert oder sehr daran interessiert, das auch inhaltlich mit auszugestalten.

00:04:20: Ich ... distanziere mich aber immer mehr von dem Wort Interview weil ich finde im Health Care Bereich sind das immer Gespräche.

00:04:27: ein Interview ist für mich Fakten checken Polit Talk ja kranzlatuell.

00:04:34: Wenn ich oder wenn ich an meine Runden denke an meiner Podcastinterviews denke und die Panels denke an die Events anders immer mehr Gespräche nicht möchte einfach vernetzen.

00:04:45: Und genau da beginnt für mich eigentlich auch die eigentliche Arbeit, weil Moderation hier ist in meinem Fall nicht neutral.

00:04:57: Weil ich gestalte auch Räume und Räime beeinflussen ja auch wie Menschen sprechen, wie sie sich abgeholt fühlen.

00:05:05: Thema Safe Space Ob sie sich auch trauen oder ob Sie sich zurückziehen, ob sie Gefühle haben, Gefühne zulassen dürfen.

00:05:13: Etwas sagen dürfen oder vielleicht das Gefühl haben etwas sagen zu müssen?

00:05:18: Weil das darf man nicht unterschätzen und ich habe oft erlebt dass Betroffene in solchen Gesprächen sehr viel Verantwortung tragen aber manchmal gar nicht tragen wollen.

00:05:26: Sie sollen ihre Geschichten teilen ja gut!

00:05:29: Sie sollen Ihre Einblicke geben finde ich auch super.

00:05:31: die sollen verständlich sein und am besten auch noch etwas beitragen, dass für alle anderen sehr wertvoll ist.

00:05:38: Das finde ich eine so enorme Erwartungshaltung und die ist vielen gar nicht bewusst.

00:05:43: Und gerade ja wie als Außenstehende oder Laien, die vielleicht nicht betroffen sind gehen dann halt immer gleich in so eine Bewertung mit rein.

00:05:51: das ist denn immer ganz traurig oder wow!

00:05:54: Ganz mutig.

00:05:55: und ich finde wir nehmen da die Deutungshoheit von den Betroffenen, nehmen wir den ab und das ist eigentlich nicht fair.

00:06:03: Und gleichzeitig sitzen oft Menschen im Raum, die es gewohnt sind das zu erklären.

00:06:07: Die wissen vermitteln nur, die Entscheidungen treffen und auch das bringt eine bestimmte Dynamik mit sich.

00:06:13: Diese Unterschiede verschwinden nicht nur weil man sie auf die Bühne setzt zusammensetzt sondern sie wirken dann auch weiter und zwar leise aber konstant und auch dass ist oft erst nach einer Veranstaltung spürbar.

00:06:30: Also Moderationen im Herzgeberbereich heißt für mich deshalb Ja, wie sage ich das?

00:06:34: Diese Spannungen zu sehen und mitzudenken.

00:06:37: Nicht um sie auch immer aufzuhalten oder zu glätten aber... ...um ihnen vielleicht gerecht zu werden.

00:06:43: Manchmal bedeutet es auch etwas zu bremsen.

00:06:46: Manchmal bedeutet es ja auch jemandem mehr Raum geben.

00:06:50: Etwas mehr Raum zu geben.

00:06:52: Und manchmal bedeutet es einfach nichts zu tun und einen Moment auszuhalten.

00:06:57: Ställe aushalten machen so wenig auf der Bühne.

00:07:00: Fällt mir auch schwer, aber man muss es tun!

00:07:03: Deshalb sind für mich Vorgespräche extrem wichtig.

00:07:06: Ich denke mir eine Moderation im Healthcare Bereich, also in meiner Position ist es nicht nur eine Modération ich komme gar nicht darum... ...ich kann gar nichts anders als zu kuratieren.

00:07:17: Also wenn ich etwas begleiten soll muss sich das inhaltlich mit aufarbeiten und dazu gehören für mich vor Gespräche.

00:07:24: die sind nicht immer nur für mich wichtig Die sind manchmal für Kunden wichtig, was ich absolut verstehen kann.

00:07:29: Aber auch manchmal für die Personen, die zum allererst mal aufeinander treffen.

00:07:33: es recht wenn sie so unterschiedliche Rollen haben wie Medizin oder betroffene Selbsthilf, Industriepflege wird auch immer unterschätzt in Klammern oder auch mehr angehörige Freunde, die müssen einen Gefühl für einander bekommen.

00:07:50: Wie gesagt das ist hier kein Kanzlerduellung, kein Polit-Talk und das gehört für mich absolut dazu weil ich möchte auch dass Haltung erkannt werden, dass Rollen verstanden werden und dass sie auch merken wie ich moderiere und wie ich steuere oder verbinde.

00:08:12: Viele sprechen ganz oft von Patientenstimmen Betroffene werden eingeladen oder davon, dass ich jemand gut einsetzen möchte.

00:08:22: Das sind zwar keine bösen Begriffe aber sie verraten auch ganz viel finde ich wie gedacht wird.

00:08:29: Denn für mich ist klar Betroffene keine Inhalte also Betrofene in einem Programm sind keine Programmpunkte sondern das müssten eigentlich Mitgestalter sein.

00:08:38: Sie sind ja keine Perspektive die man irgendwie ergänzt Sondern Menschen die mit einer Erkrankung leben und das verändert ihr alles Weil es geht um das Leben mit und nicht die Diagnose.

00:08:49: Wenn man also fragt, kann man zuhören... ...und man muss überlegen wie man fragt oder wie man zu hört und wie man dann gut moderiert?

00:09:02: Ich habe gelernt dass man Menschen lesen muss und das kann man.

00:09:05: Also nicht so analytisch sondern eher aufmerksam.

00:09:08: Da kommen wir wieder auch auf das Thema stille aushalten und nicht bewerten auch zu merken, wann jemand langsamer wird.

00:09:15: Wenn jemand ausweicht, wenn jemand plötzlich sehr sachlich wird... ...wenn auch jemand mal weint oder sich zurückziehen möchte.

00:09:23: das darf natürlich alles sein und das muss auch mit berücksichtigt werden.

00:09:27: Das sind aber keine Zufälle.

00:09:28: dass sind Signale die für mich als Moderator natürlich total wichtig sind Und wenn man sie übersieht verliert man den Raum ohne dass es jemand merkt.

00:09:36: oder im schlimmsten Falle merkt ist das Publikum sofort.

00:09:40: Und es gibt auch diese Momente, in denen ein Gespräch so technisch weiterläuft.

00:09:45: Aber innerlich ist jemand längst ausgestiegen... ...das sieht man nicht immer sofort aber ich finde das man spürt sehr schnell wenn man darauf achtet.

00:09:54: und das ist die Aufgabe für mich also die Aufgabe der Moderation darauf zu reagieren.

00:10:00: nichts mit großen Gesten oder ganz theatralisch sondern einfach empathisch wenn das das richtige Wort ist.

00:10:07: Ich glaube er ist reicht Oder ja, deshalb reicht es im Head-Cab-Ereich nicht einfach nur ämpathisch zu sein.

00:10:19: Sondern Empathie ohne Kontext kann sogar auch sehr schief gehen!

00:10:24: Man kann sehr einfühlsam sein und trotzdem an Menschen vorbeireden wenn man sich versteht wie die Krankheit den Alltag prägt Wie viel Anpassung sie verlangt?

00:10:36: Wie oft Betroffene erklären müssen, warum Sie heute etwas nicht können oder wollen.

00:10:41: Was aber gestern noch ging und so weiter und sofort.

00:10:44: Moderation braucht hier auch eine Kurationsrolle.

00:10:49: Für alle muss klar sein welche Fragen.

00:10:53: stelle ich überhaupt.

00:10:54: Welche Fragen soll ich nicht stellen?

00:10:57: Also, welche lasse ich bewusst weg?

00:10:59: Welche Themen sind für diesen Raum eigentlich geeignet?

00:11:01: Dazu muss ich verstehen was ist die Zielgruppe?

00:11:04: Wer wird im Publikum sein?

00:11:05: Was ist das große Thema?

00:11:08: Gibt es Impulsvorträge oder keine Impulsverträge?

00:11:10: kann man darauf eingehen?

00:11:13: sollen Betroffene nur von ihm Leben erzählen oder was möchten wir eigentlich hören und was möchten die Betroffenen erzählen?

00:11:22: Also welche Themen sind für diesen Raum eigentlich geeignet, welche überfordern vielleicht auch und welche öffnen etwas.

00:11:29: Und hat man auch genug Zeit?

00:11:32: Das ist nichts was man so spontan entscheiden kann finde ich in dieser Position.

00:11:35: wenn sowas auf einer Bühne entsteht das entsteht vorher muss vorher entstehen in den Gesprächen In der Vorbereitung und auch in meiner Haltung wenn nicht mit Kunden sprechen.

00:11:45: Ich habe also erlebt wie viel ein gut gesetzter Raum auch vieles verändern kann, wenn klar ist das hier nicht performt werden muss.

00:11:55: Niemand muss jetzt irgendwie abliefern ja?

00:11:57: Das ist auch okay unsicher zu sein.

00:11:59: es kann sich auch mal Sachen verändern die man vielleicht vorher ich würde sagen geprobt hat aber die man besprochen hat.

00:12:05: es muss nicht alles genauso eintreten und dann entsteht vielleicht noch ein Gespräch was nicht perfekt ist.

00:12:12: aber ehrlich und das finde ich so wunderbar mich interessieren gar nicht perfekte Antworten, perfekte Gespräche.

00:12:19: Sondern ich möchte die Wirkung weitergeben, die Wirkung spüren und so weitergehen ins Publikum.

00:12:30: Und mir ist auch wichtig das Betroffene nie ausschließlich über ihre Erkrankungen erzählen oder ja nur über ihre erkrankungen wahrgenommen werden.

00:12:38: Sie sind ja mehr als Ihre Diagnose.

00:12:41: Sie bringen Meinungen mit manchmal auch Widersprüche, Humor, Müdigkeit Themen, die wir alle haben.

00:12:49: Und je mehr man ihnen erlaubt als ganze Person da zu sein und nicht nur als Symptomsprecher das so echter finde ich wird der Austausch.

00:13:00: Das passiert nicht wenn man unabgesprochen auf die Bühne geht.

00:13:05: Ich glaube mal merkt sehr schnell ob jemand im Health Care Bereich moderiert weil er gut sprechen kann oder weil er versteht was auf dem Spiel steht.

00:13:13: Das ist jetzt irgendwie kein Vorwurf.

00:13:15: Ich spreche jetzt niemand direkt an, aber das ist eine Beobachtung.

00:13:19: und sie erklärt finde ich auch, warum manche Formate wirken und andere trotz bester Absichten irgendwie leer bleiben im

00:13:27: Nachgang.".

00:13:29: Für mich ist Moderation hier immer auch Verantwortung, also für das was gesagt wird.

00:13:34: Für das was offen bleibt und auch für das, was Menschen mitnehmen.

00:13:38: Und diese Verantwortung finde ich endet nicht mit dem Applaus.

00:13:44: Je länger ich diese Arbeit mache desto weniger denke ich in perfekten Abläufen und desto mehr denke ich im Beziehungen, in Übergängen ja?

00:13:53: Für mich sind die Momente wichtig, die entstehen.

00:13:55: Ich habe gerade von der Wirkung schon gesprochen und möchte natürlich die Momente vermeiden, in denen etwas kippen könnte.

00:14:02: Und genau dort entscheidet sich ob ein Raum trägt.

00:14:09: Ja darüber wollte ich mit euch sprechen nicht um Regeln aufzustellen oder zu sagen Ich mache es ganz besonders gut.

00:14:16: Ich möchte euch einfach zeigen warum Moderation im Heath Care Bereich ein eigenes Feld ist meiner Meinung nach?

00:14:23: Warum sie Erfahrung braucht?

00:14:25: Warum Sie Kontext braucht.

00:14:28: Aufmerksamkeit auch, würde ich sagen und vor allem Respekt vor dem Menschen die diese Räume mit leben füllen.

00:14:37: Ja also Ich bin gespannt wie ihr darüber denkt.

00:14:42: sagt es mir gerne Kontaktiert mich auf LinkedIn oder auf Instagram.

00:14:46: überall da wo ihr mich findet Möchte ich mich gerne mit euch austauschen.

00:14:52: das war eine weitere Folge von sick and seen.

00:14:56: wir hören uns im nächsten Monat.

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